29.06.2020

Randnotizen Juni 2020 von Philippe Brühlmann


Willkommen zurück, liebe Bugwelle…
 
Liebe Leserin,
Lieber Leser,
 
Eigenartige Überschrift, ich weiss. Nun, ich versuche dies zu erklären, wahrscheinlich stellvertretend für viele, welche in der Arbeitswelt stehen und sich den erneuten Änderungen der Lage nach den letzten Wochen und Monaten hergeben. Die Sache ist einfach: Mit der Bugwelle ist der fast mit Schallgeschwindigkeit wieder angestiegene Pendenzenberg und volle Terminkalender gemeint. So schnell wie im März plötzlich eine eigenartige Ruhe einkehrte und wir von ungewohnten Massnahmen belegt wurden, kommt nun der sogenannte "normale" Alltag zurück und manchmal könnte man locker nochmals 12 Stunden an den Tag anfügen, damit man mit den Arbeiten fertig wird.
Auf die andere Seite darf man sich auf keinen Fall beklagen, wenn man Arbeit hat und gelegentlich eine gewisse Spitze mit einer Extrameile brechen muss. Viele Menschen in unserem Land sind aufgrund dieser Krise alles andere als auf der Sonnenseite gestanden und werden weiterhin nicht stehen. Viele Branchen ächzen unter der vergangenen Zeit des Lockdowns und es ist alles andere als selbstverständlich, wenn der Zahltag einfach aufs Konto fliesst. Die nächsten Monate werden aufzeigen, inwiefern und wie stark uns die Zeit ohne die Bugwelle betrifft. Spurlos geht diese nicht an uns vorbei, dies ist mal sicher.
 
Mit der Bugwelle sind die Aktivitäten in unserer Gemeinde wieder am Aufblühen, und das ist gut so. Die Vereine können wieder ihren Betätigungen nachkommen, man darf endlich wieder zusammensitzen und das Gesellschaftliche geniessen. Ein wichtiger Faktor, sind nun doch unzählige schöne Anlässe abgesagt worden und weitere werden wahrscheinlich dem ganzen noch zum Opfer fallen. Der Budgetposten für Kultur und Freizeit, welchen ich augenzwinkernd in meiner Amtszeit regelmässig leicht überzogen habe, wird wohl nicht ausgeschöpft werden. Bedauerlich, wenn man in Betracht zieht, wie geschätzt und gut frequentiert einige Veranstaltungen normalerweise sind. Aber das wird wieder kommen…
 
Was ziehen wir nun für Lehren aus der ganzen Sache? Einiges ist, nachdem wir Mitte März "stillgelegt" wurden, sehr gut gelaufen. Nachdem sich der Gemeindeführungsstab nach einer leicht verpatzten Übung vor ein paar Jahren zusammen mit dem Gemeinderat neu organisiert und strukturiert hatte, was per Ende 2019 beendet war, kam dieser nun gleich in den Ernstfall und hat den Gemeinderat wertvoll unterstützt. Somit wurde das eigentliche Ziel, dass die Exekutive den Betrieb und das Tagesgeschäft den Umständen entsprechend weiterführen konnte, vollumfänglich erreicht. Ebenso wichtig war der Einsatz der Freiwilligen, wobei ein grosser Pool zur Verfügung stand, welcher unterstützend den zu Hause gebliebenen Menschen zur Seite stand. Die Samariter betrieben erfolgreich eine Triage bei den Hausärzten und weitere Personen standen bereit für Einsätze, sofern es krankheitsbedingte Ausfälle geben sollte. Beispielsweise standen Fachpersonen bereit für das Richten von Medikamenten im Seniorenzentrum Im Reiat.
 
Was uns eher unvorbereitet erwischte, jedoch rechtzeitig vor dem Lockdown, dank einiger Nachtschichten erstellt wurde, war ein sogenanntes Geschäfts-Kontinuitäts-Management im Falle einer Pandemie. Darauf, dies muss eingestanden werden, war man noch nicht ausreichend vorbereitet, obwohl in der Gefahrenanalyse des Kantons eine gewisse Wahrscheinlichkeit ausgewiesen wurde. Man hat dies vielleicht nicht so ernst genommen und die Nachrichten, welche anfänglich aus Wuhan bei uns eingetroffen sind… nun ja, Wuhan war ja weit weg.
Plötzlich brauchte man Lösungen für die kritischen Prozesse, für welche die Gemeinde besorgt sein muss: Die Wasserversorgung als Beispiel: Wie kann gewährleistet werden, dass bei Ansteckungen mit nachfolgender Quarantäne der Fachleute die Wasserversorgung gewährleistet bleibt? Welche Massnahmen müssen präventiv ergriffen werden, um ein Ansteckungsrisiko zu minimieren? Dasselbe gilt beispielsweise für die Kehrichtentsorgung, damit nicht plötzlich Abfallberge im Dorf Einzug halten und damit weiteren Gefahren einen Nährboden bieten. Wie geht man mit den vulnerablen Mitarbeitenden um? Ganz viele Fragen und Lösungen, welche noch aus dem Boden gestampft werden mussten und auch wurden. Das Gute daran: Jetzt sind wir vorbereitet, sollte wieder einmal ein ähnlicher Fall eintreten oder sogar die gefürchtete zweite Welle eintreffen.
 
Eines ist jedoch sicher: Eine derartige Aktion wie der vergangene Lockdown wird man sich kaum nochmals leisten können – Wir müssen schlichtweg lernen, damit zu leben.
 
Zum Schluss: Ein Zitat aus den Randnotizen vom Juni 2015, als bei den Gemeinderäten der Puls hochging und die Köpfe rot wurden anlässlich des geplanten Fahrplans der damals noch existierenden Linie 26:
"Nach dem vermehrten Abbau mit steigenden Preisen und Zusatzzahlungen an die Linie 26 der letzten Jahre ist dem Gemeinderat nach Veröffentlichung der Massnahmen auf der Linie 24 gewissermassen der Kragen geplatzt."
 
 
Ich wünsche Ihnen allen eine schöne und gesunde Sommerzeit!
 
Herzlich und bis bald
 
Ihr Philippe Brühlmann
Gemeindepräsident
 
 
 


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