31.03.2020

Randnotizen März 2020 von Philippe Brühlmann


"Es" hat uns im Griff… oder haben wir es in der Hand?

 

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Die Überschrift dürfte etwas überraschen, wenn man sich die Nachrichtenflut auf allen Kanälen ansieht und man die vielen Meldungen bald nicht mehr zuordnen kann und zu sortieren vermag. Daneben lassen sich unzählige "Experten" vernehmen – vornehmlich in den sozialen Medien – welche von Untergangsszenarien bis zur kompletten Verharmlosung und Verschwörungstheorien alles auf dem Menüplan haben, um etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen. Dies geht sogar so weit, dass gewisse Scharlatane ihr Globuli anpreisen und Heilung versprechen. Auch die Cyberkriminellen haben wieder ein Eldorado gefunden und die falschen "Ordnungshüter" gehen wieder von Tür zu Tür.

Grundsätzlich sind wir jetzt in einer Zeit, wo wir einfach einen kühlen Kopf bewahren, das richtige tun und uns an offizielle Regeln und Empfehlungen halten müssen. Dann hat uns nämlich "Es" nicht im Griff, sondern wir haben es in der Hand, wie lange es gehen soll, bis wir wieder in Normalität leben können.

 

Noch vor einem Monat habe ich am Schluss meiner Randnotizen Werbung gemacht für die vielen tollen Anlässe, auf die wir uns damals freuen durften. Was folgte war ein jähes Ende. Man konnte die Enttäuschung nicht verbergen und es tat einem unglaublich leid bezüglich dem grossen Aufwand, welche viele Vereine und Institutionen im Vorfeld betrieben haben. Dieser war für die Katz. Aber bald wurde es immer klarer, was genau auf uns zukommt. Heute, und das dürfte mittlerweile jedem bewusst sein, wissen wir, dass wir wahrscheinlich erst am Anfang stehen, aber: Man darf auch zuversichtlich sein, dass die ergriffenen Massnahmen und das sich daranhalten, die Welle des Covid19 etwas abzuflachen vermögen.

 

Wie Sie vielleicht in Erfahrung bringen konnten, wurde seitens des Kantons die sogenannte KFO (Kantonale Führungsorganisation) bereits im Februar hochgefahren, um entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Die KFO ist quasi der Angelpunkt für alle betroffenen Anspruchsgruppen, welche zur Bewältigung einer entsprechenden Lage im Einsatz steht. Nebst vielen anderen Aufgaben ist sie auch für Beschaffungen von Material, personellen Ressourcen und der engen Zusammenarbeit mit den Gemeinden verantwortlich. Bei uns auf kommunaler Ebene wurde der Gemeindeführungsstab ebenfalls aktiviert und in der ersten Phase wurde mit dem Netzwerk Freiwillige Begleitung ein Hilfsdienst, beispielsweise für Einkäufe oder mit Hund Gassi gehen, eingerichtet (siehe auch Inserat in dieser Ausgabe). Zudem konnte mit den Samaritern die Triage bei den Hausärzten eingerichtet und ein Pool an Gesundheits-Fachpersonal als Reserve gebildet werden. Weiter wurde vom Gemeinderat das Betriebskontinuitäts-Management gestartet, um kritische Prozesse, wie beispielsweise die Wasserversorgung oder die Kehrrichtentsorgung, auch bei personellen Ausfällen sicherzustellen. Eine grosse Herausforderung diesbezüglich und sehr kritisch bei einer Pandemie ist die Gefährdung, welcher das Pflegepersonal, stationär wie auch ambulant, ausgesetzt ist. Inwiefern sich die Welle schlussendlich auswirkt, können wir nicht abschätzen. Aber wir können uns darauf vorbereiten und mittels Schutzmassnahmen das gesamte Personal zu schützen versuchen. Insbesondere ist auch das Schutzmaterial das grosse Thema, wobei sich die Beschaffung von benötigten Produkten nicht in jedem Fall einfach zeigt.

 

Auf dem politischen Parkett regen sich langsam auch die Volksvertreter wieder aus der Schockstarre, sei dies auf Bundesebene, kantonaler oder kommunaler Ebene. Ein wichtiges Thema, entstehen hier gewisse Spannungsfelder zwischen der Gewaltentrennung, ein Fundament unserer Demokratie, und den Empfehlungen und Massnahmen, welche die Behörden gebetsmühlenartig den Bürgerinnen und Bürgern erklären. Es ist tatsächlich schwierig abzuschätzen, inwiefern Parlamentssitzungen abgehalten werden sollen, wenn man gleichzeitig Versammlungsverbote erlässt und Menschenansammlungen verbietet. Diese Entscheidungen und das Vorgehen liegen aber schlussendlich bei den entsprechenden parlamentarischen Büros und nicht bei den Exekutiven. Wichtig zu wissen ist, dass aufgrund der jetzigen ausserordentlichen Lage auch gewisse Kompetenzverschiebungen stattgefunden haben, damit die Gemeinden handlungsfähig bleiben. Einerseits sind die Gemeindepräsidien berechtigt, gewisse Präsidialverfügungen zu erlassen. Ebenso sind die Gemeinderäte ermächtigt, finanzielle Entscheide zu fällen, welche der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und der Abwehr von wirtschaftlichen und sozialen Notständen dienen, welche ansonsten dem Einwohnerrat respektive einer Gemeindeversammlung vorgelegt werden müssten. Diese Regelungen gelten bis am 19. April 2020.

 

Nun, liebe Leserin und lieber Leser, habe ich noch zwei grosse Bedürfnisse:

 

Erstens: Ein grosser Dank auszusprechen an die Freiwilligen, Samariterinnen und Samariter, Pflegenden im Seniorenzentrum, der Spitex und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde, den Ärzten und allen, die sich in irgendeiner Form solidarisch zeigen und sich durch ihren grossen Einsatz auszeichnen. Es sind keine einfachen Zeiten und wir werden auf die Zähne beissen müssen. Es macht mich stolz, auf solche Menschen zählen zu dürfen!

 

Zweitens: Ihnen allen wünsche ich gute Gesundheit und ich bitte Sie, halten Sie sich an die offiziellen Regeln. Tun Sie dies konsequent und kompromisslos. Der Covid19 ist unsichtbar und genau dies macht die Sache sehr gefährlich. Eine Eindämmung gelingt nur mit Disziplin und der damit eng verbunden mit Solidarität. Es werden wieder andere Zeiten kommen, aber der grosse "Lupf" steht uns höchstwahrscheinlich erst bevor.

 

Noch ein Satz aus vergangenen Randnotizen zum Schmunzeln. Zitat vom März 2013:

"Und das Beste zum Schluss: Der Billetautomat am Bahnhof ist seit Neustem beleuchtet!"

 

Herzlich und bis bald!

 

Ihr Philippe Brühlmann

Gemeindepräsident

 

 
 


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